Matty und Gigi auf großer Fahrt - Kapitel 4



4. Der nicht so stille Beobachter


In einer anderen Welt beobachtete jemand die beiden kleinen Wesen. Und als er ihre Hoffnungslosigkeit sah und ihre Verzweiflung und Angst spürte, wusste er, das er eingreifen musste. Denn dies waren genau diejenigen, die seine Hilfe brauchten! Da war er sicher.
Nichts hielt ihn auf. Mit eiligen und sehr energischen Schritten verließ er den Raum. Es dauerte zwar einen Moment und bedurfte vieler Gänge, die er entlanghasten musste, doch als er endlich sein Büro erreichte, setzte er sich zielstrebig an sein Telefon.
"Ich brauche hier sofort einen freien Wichtel!" rief er in die Leitung. Da zu dieser Jahreszeit alle Leitungen stets auf Notruf gestellt waren, würde sein Ruf schon jemanden ereilen.
Und es dauerte keine Minute, da klopfte es zögerlich an seine Tür.
"Nur herein!" rief er.
"Niki, du hast gerufen?!" sagte ein leises Stimmchen.
Vor dem weißbärtigen, in einen Morgenmantel gekleideten und sehr breitschultrigen Mann lüpfte der Wichtel, der eingetreten war, seinen verknitterten Hut.
"Ich brauche einen Schlitten! Den du fliegen musst. Du musst mir diese zwei Kleinen sofort herholen. Es eilt!"
Mit einer zackigen Geste überreichte Niki dem Wichtel einen Zettel, auf dem ein Bild zu sehen war: und zwar genau das Bild der kleinen, verlorenen Kreaturen, die so verängstigst aneinandergekuschelt beieinander lagen, was sich ihm im Raum der Hoffnung offenbart hatte.
"Bring' sie so schnell als möglich her. Nimm' dazu den violetten Schlitten, du wirst die nötigen Utensilien bereit finden." Und mit einem Murmeln fügte er hinzu: "Hoffe ich jedenfalls."
Der Wichtel betrachtete das Bild einen Moment.
"Und... ähm... wo finde ich die beiden?"
"Das wird sich finden. Du hast doch wohl Flugerfahrung?"
Niki blickte mit einer hochgezogenen Augebraue auf den verlegen wirkenden Wichtel. Dieser trat sich unsicher von einem Fuß auf den anderen.
"Naja... nicht so wirklich... nein."
"Dann wirst du es jetzt lernen müssen, mein Freund."
Der Wichtel verharrte einen Moment in seiner Unbehaglichkeit, ehe er sich ein Herz nahm und fragte:
"Warum schickst du nicht Urwi?"
Niki blickte nun ein wenig streng auf den kleinen Gesellen, dann lachte er herzhaft aus seinem Bart heraus:
"Nun ja, du kannst dir doch vorstellen, das Urwi derzeit einen anderen Schlitten in Form bringen muss," und er zwinkerte lächelnd.
Der Wichtel nickte verlegen.
"Stimmt. Ja... nun gut," und er seufzte, "dann mache ich mich mal auf den Weg."
Und kaum war Bippy an der Tür angelangt, hörte er Niki noch sagen:
"Für eine schöne Flugfahrt hast du keine Zeit, eile dich! Ich will die beiden bei Tagesanbruch hier haben!"
Bippy nickte und wollte noch etwas antworten, doch in Gegenwart des Chefs fielen ihm nie die richtigen Worte ein. Stattdessen seufzte er nur, nickte sich selber bestätigend zu - das er diesen Auftrag nämlich schaffen würde - und schloss die Tür. Niki hatte ja nun wirklich genug zu tun.
Mit straffen Schritten ging er umgehend zur Schlitten-Garage und ordnete dem zuständigen Wichtel - Schliwi - an, das er den violetten Schlitten straks für einen äußerst eiligen Auftrag startklar machen und binnen kürzester Zeit auf den Hof fahren solle.