Matty und Gigi auf großer Fahrt - Kapitel 19



19. Wärme


Matty lief als erste voraus. Mit energischen, unermüdlichen Sprüngen näherte sie sich der Ruine, an der sie gehalten hatten. Hier sah es kaum anders aus als am Landeort zuvor: die meisten Häuser waren abgebrannt, überall nur Geröll und Asche. Die Luft war erfüllt von unangenehm riechenden Flocken, die seicht herabrieselten. Fast schien es, als sei dieser Ort noch nicht lange so verfallen. Ob die Dunkelheit erst vor Kurzem zugeschlagen hatte? Auch wenn Abasidan noch immer in Mattys Kopf zu spuken schien, hatte sie jetzt keine Zeit für Furcht. Sie konnte Steve riechen. Deutlicher als je zuvor!
Die Reisegesellschaft folgte Matty. Die Drachenenergie sauste hinter ihr her. Doch so schnell das winzige Fellwesen spurtete, konnte sonst keiner von ihnen mithalten - außer Bippy. Er entpuppte sich als wahrer Meister des Sprintens! Zwar immer etwas hinter der Ratte, hielt er gut Schritt mit dem Lauf des pelzigen Flitzers.
"Ich rieche ihn!" rief Matty immer wieder. "Ich kann ihn ganz deutlich riechen! Er war hier! Es ist nicht lang her!"
Aufgeregt rannte sie umher. Ihre Füße konnten den Spuren nicht so schnell folgen wie ihre Nase. Sie hastete die Treppen hinauf.
"Hier! Schnell!" rief sie, rannte die Treppen wieder hinunter und drängte die anderen, ihr zu folgen. "Hier! Bestimmt!"
Mit einer flinken Geste glitt Bippys Hand unter ihren Bauch und hob sie hoch, damit Matty sich auf seiner Schulter niederlassen konnte. Er hastete die Treppen hoch. Die Herzen umgaben die beiden nun in engem Schein und pulsierten stark. So wurden auch die dunkelsten Ecken erleuchtet. Matty hielt die Nase in die Luft und wies Bippy den Weg. Der Wichtel spürte, je mehr sie in die Richtung liefen, die Mattys Nase ihnen vorgab, immer mehr Wärme.
'Seltsam,' dachte er noch und war gespannt, woher diese sich langsam aufbauende, äußerst angenehme Hitze kommen mochte.
Schließlich gelangten sie an eine ausgeklappte Stiege, die zu einem Dachboden zu führen schien. Eine sehr steile Leiter, wohlgemerkt, hier musste Bippy trotz seiner kleine Füße aufpassen, nicht von den Trittstufen zu rutschen.

Als Bippys Kopf durch die Luke sehen konnte, erspähte er sofort den Quell der Wärme: einen kleinen Ofen! Es loderte ein winziges Feuerchen darin, doch spendete es in dieser eisigen Umgebung reichlich Wärme, damit wieder Leben in seine steifen Finger gelangen konnte. Matty hangelte sich an Bippys Pullover über die Beine hinunter und lief einen Moment umher. Dann plötzlich ein Ruf:
"Matty?"
Matty schnupperte so nervös, das sie völlig verwirrt war. Sie kannte doch diesen Geruch! Und dann, vor einer hölzernen Kiste sitzend, sah sie... ihre Mami!
"Mami!" rief sie und trippelte auf die ergraute Ratte zu, die mit verstrubbeltem Fell vor einem kleinen, mit Papier ausgelegten Nest hockte.
"Meine süße, kleine Matty!"
Die anderen Reisegefährten waren durch den Ruf herbeigeeilt und betraten die kleine Dachstube nacheinander. Sie sahen, wie die kleinen Wesen einander begrüßten, sich beschnupperten - von vorne bis hinten, von oben bis unten - sich mit den winzigen Händchen überall abtasteten und sich gegenseitig ihre Öhrchen schleckten. Und dann ein erneuter Ruf:
"Hallo Matty!"
Oben auf der Kiste saß eine weitere Ratte, mager, mit zerzaustem Fell und müden Augen, die nun vor Freude aufleuchteten.
"Oh Steve!" rief Matty.
Noch ehe sie sich an der Kiste hochhangeln konnte, rutschte Steve - ein wenig ungeschickt, aber wer konnte ihm das nun zum Vorwurf machen? - an den Planken der Kiste herunter.
"Steve! Ich hab' dich so vermisst!"
Die drei kleinen Kreaturen kuschelten sich aneinander, und ihre Zungen wollten nicht mehr stillstehen. Sie schleckten und schlabberten sich die Gesichter und die Ohren gegenseitig, und wirkten für einen Augenblick abgeschnitten von der zerrütteten Welt, als hätten sie ihr eigenes Universum erschaffen.
"Oh Mami, ich dachte du wärst nicht mehr hier. Ich habe dich nicht mehr wahrgenommen, seit damals das Mensch kam und mich fortgeholt hat... " Matty sah sie mit einem schmerzvollen Ausdruck in den Augen an.
"Aber ich bin hier, mein Liebes. Wir sind wieder zusammen!"
Matty schleckte ihrer Mutter und ihrem Bruder noch einmal ausgiebig über die Nase und Augen. Dann erhob sie sich und sagte mit freudiger und ebenso fester Stimme:
"Und jetzt fahren wir in unser neues Zuhause!"
"Na, wenn das kein Wort ist!" lachte Arton, der sich neben Bippy an den Ofen gestellt hatte.
"Ein neues Zauhause?" fragte Steve skeptisch. "Davon bin ich bedient, danke."
Matty grinste.
"Ein richtiges Heim, du Dummerchen," lachte Matty. "Eines, in dem es uns gut geht und wir nie wieder weggehen müssen!"
"Genau so und nicht anders!" mischte Bippy sich jetzt ein. "Und wir werden dann gerade rechtzeitig zur Feier kommen. Da gibt es viele Leckereien, und ihr könnt euch die Bäuche so richtig sattfuttern!"
"Ganz zu schweigen von Niki!" fügte Lotti noch lachend hinzu. "Und einem warmen Kaminfeuer und gemütlichen Sesseln."
Die Runde lachte. Obwohl Steve misstrauisch war folgte er Matty auf Schritt und Tritt. Diese konnte es natürlich nicht mehr erwarten, ihrer Familie Gigi vorzustellen. Und so kuschelten sich Gigi und die kleine Familie auf dem Rückflug in die Weihnachtswelt dicht aneinander. Es gab jetzt nichts anderes mehr als das Glück, das sie empfanden. Und die Freude auf ihre neue Heimat.