16. Eine alte Bekannte
"Sofort meinen Schlitten klar machen!" rief Niki aufgebracht in den Sprechapparat, und noch ehe der Wichtel am anderen Ende der Leitung anworten konnte, war Niki bereits aufgesprungen und hatte sich hastig seinen Mantel geschnappt. Im Laufen zog er sich rasch an, schnallte seinen Gürtel wieder um - den er der Gemütlichkeit halber beim Sitzen meistens abschnallte - und hastete zur Schlitten-Garage.
"Niki, was ist los? So eilig hast du es doch sonst nie," sagte Schliwi überrumpelt.
"Keine Zeit für Erklärungen, mein Freund," sagte Niki mit ernstem Gesichtsausdruck. Jeder wusste, wenn Niki diese Mine auflegte, musste es drastische Probleme geben.
Niki nahm sich nicht mal die Zeit, im Schlitten Platz zu nehmen, sondern lenkte das Gefährt halb stehend in Richtung des Drachengebriges. Hier sammelte er so viele Lichtherzen um sich, wie möglich. Die Drachen waren aufgewühlt, denn so hatten sie Niki schon sehr lange nicht mehr erlebt. Doch er beruhigte sie ein wenig, ehe er aufbrach.
"Nur ihr könntet mir bei dieser Aufgabe helfen. Ich benötige viel Licht und positive Energie! Was genau zu tun ist," sagte er, "erkläre ich euch während der Fahrt. Wir haben es sehr eilig! Ich kann euch vorweg jedoch sagen, das es düster wird."
Als sein prachtvoller Schlitten Richtung Erde steuerte, erzählte er von Bippys Notruf und offenbarte den Drachenherzen seinen Plan, wie er Adasiban ablenken wolle. Da Drachen tief mit ihrer Geschichte verwurzelt sind, wurden über die Jahrhunderte die Geschichten über Das Dunkle von Generation zu Generation weitergegeben. Und so kannte auch jedes Drachenherz die Sage um Adasiban, den Schrecken der Welten. Das sie ihm einst selber gegenüberstehen würden, daran hatte natürlich nie jemand gedacht.
Niki landete an den Koordinaten, die ihm bei dem Notruf automatisch übermittelt worden waren. Beim Näherkommen nahm er eine Gestalt aus, die sich kaum von der Dunkelheit abhob. Doch dann, als er landete, hellte sich sein Gesicht auf und Überraschung lag in seinem Blick.
"Ja wen sehe ich denn da?" rief er erfreut und breitete die Arme aus.
Lotti traute ihren Augen nicht.
"Niki, bist das wirklich du?" sagte sie und konnte nicht anders, als den mächtigen Kerl herzlich in die Arme zu schließen. "Ach, ich wünschte so sehr, unser Wiedersehen hätte unter erfreulicheren Umständen stattgefunden."
Niki stimmte brummend zu.
"So, so, meine liebe Lotti. Das ich dich nochmal wiedersehe... wie schön! Und nun erzähl mir, was genau geschehen ist. Der Notruf war etwas undeutlich."
Lotti führte Niki an das Loch, in das ihre Gefährten samt Schlitten gestürzt waren.
"Adasiban hat aufgestampft, und schwupps waren alle hinabgefallen. Ich hoffe sehr, das ihnen nichts geschehen ist."
Sie klang traurig und sehr besorgt, und Niki versuchte sie mit einem kleinen Stups auf die Schulter zu trösten. Sie lächelte flüchtig, ehe ihr Gesicht wieder einen bangen Ausdruck annahm.
"Dann machen wir uns mal unter die Erde," seufzte Niki und bat Lotti, im Schlitten Platz zu nehmen. Er lenkte das Fahrzeug geschickt und ruhig nach unten, und hier trafen sie auf Frank. Niki zog erneut erstaunt die Augenbrauen hoch und sagte:
"Überraschungen über Überraschungen heute."
"Ich würde dir gern die Hand reichen," sagte Frank höflich, "aber bei der Suche nach dem Reparaturgerät für Bippy habe ich mir eine der Hände abgebrochen. Sie muss irgendwo im Schlitten liegen, da kannst du sie greifen." Er kicherte.
"Oha, ein Scherzbold," sagte Niki und grinste. "Sowas ist mir immer lieb!" Er puffte Frank vorsichtig in die Seite und hoffte inständig, dieser würde nicht auseinanderfallen. Tat er nicht und Niki atmete insgeheim auf.
"Nun aber schnell," sagte er schließlich hastig und ging mit riesigen Schritten voran, um die Stelle zu erreichen, an der die anderen verschüttet waren. Hier angekommen, schüttelte er die Lichtherzen aus seinem Mantel. Mit wildem Sausen schwirrten sie umher und verbreiteten nach und nach helleren Schein. Als ihr Pulsieren anstieg und ihr Schimmern so hell war, das die gesamte Höhle taghell ausgeleuchtet wurde, flitzten die Herzen so schnell hin und her, auf und ab, das die Steine langsam begannen, zu Staub zu zerfallen.
